Schon ist es wieder so weit und auch das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Für mich persönlich war es ein Jahr mit vielen Erlebnissen, die ich in einem kleinen Highlight-Video soweit wie möglich zusammengefasst habe. 365 Tage auf ca. 6 Minuten zusammenzufassen, hat sich allerdings als äußerst schwierig erwiesen. Es war am Ende nicht einfach, den ein oder anderen tollen Moment aus dem Video herauszunehmen. Momente, die ich einer entscheidenden Veränderung in meinem Leben zu verdanken habe, denn am Anfang zu Beginn des Jahres habe ich die Entscheidung getroffen, mich als Naturfilmer ab dem 01.03.18 selbstständig zu machen und meinen Bürojob auf drei Tage pro Woche zu reduzieren. Etwas, worauf ich schon länger hingearbeitet hatte und was ich im Jahr 2018 endlich in die Tat umsetzen konnte.

 

 

Mehr Zeit und mehr Möglichkeiten

Dass ich mich in diesem Jahr teilweise sogar wöchentlich vier Tage in Folge auf meine Leidenschaft konzentrieren konnte, hat mir natürlich völlig neue Möglichkeiten gegeben. Früher hatte ich nicht die Möglichkeit, nach einer verpatzten Aufnahme eines tollen Ereignisses, am nächsten Tag nochmal mein Glück zu probieren. Hierfür war die Zeit einfach zuvor nicht da.

 

Doch so konnte ich mich nun zum Beispiel nach einer verpatzten Aufnahme eines jagenden Schwarzmilans am nächsten Tag erneut an den See setzen und es ein zweites Mal probieren. An dem Wort „Gewohnheitstier“ ist auf jeden Fall etwas dran, denn bei einigen Tierarten sind häufig wiederkehrende Verhaltensweisen zu erkennen. So konnte ich den Schwarzmilan beim zweiten Mal an seinem Jagdspot von Anfang bis Ende filmen (im Video ab Minute 2:36).

 

Eine Aufnahme, auf die ich besonders stolz bin, da einfach wahnsinnig viel zusammenkommen musste. Das Tarnzelt an der richtigen Stelle, der Milan auf dem richtigen Ast, der Fisch zur richtigen Zeit am richtigen Ort, eine wackelfreie Aufnahme, ein durchgehend scharf gestelltes Motiv und ein schönes Licht. Letzteres brachte die Aufnahme fast zum Scheitern, da das Gegenlicht den Teich ca. 2 Stunden nach Sonnenaufgang komplett überbelichtet. Wäre der Schwarzmilan etwas später gekommen, hätte ich sicher keine brauchbare Aufnahme gehabt.

 

So bin ich jedoch einfach froh, dass der Aufwand und die Geduld sich – wie so oft in der Natur – am Ende ausgezahlt haben. Ingesamt bin ich im Jahr 2018 aber auch deutlich effektiver gewesen als im Jahr 2017. Mit zunehmender Erfahrung weiß man, an welchen Orten etwas möglich ist und wo nicht. Vor allem auch der Kontakt zu anderen Filmern und Fotografen hat mir sehr geholfen.

 

 

Seeadler-Invasion und schwarze Sonne

Die Zeit, die ich in diesem Jahr mehr zur Verfügung hatte, war für mich auch bei dem wahrscheinlich außergewöhnlichsten Naturereignis in 2018 sehr nützlich. Im Peenetal in Mecklenburg-Vorpommern sammelten sich zeitweise über 230 Seeadler zum gemeinsamen Fischen. Ein einfach unfassbares Schauspiel, wenn man bedenkt, dass Seeadler eigentlich Einzelgänger sind.

 

Glücklicherweise hatte sich dieses besondere Ereignis auch bis nach Berlin herumgesprochen und ich nahm ohne zu zögern den ca. zweieinhalbstündigen Weg auf mich. Ich übernachtete in meinem VW Caddy und konnte am nächsten Morgen im traumhaften Gegenlicht die vielen Seeadler sowie unzählige Kraniche, Reiher, Limikolen und viele weitere Vogelarten filmen.

 

Hätte mir vor diesem Jahr 2018 jemand erzählt, dass ich in diesem Sommer ca. 15 Seeadler auf ein Bild bekommen würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Am Ende wurde es aber tatsächlich Wirklichkeit. Das tolle Gesamtbild mit der großen Artenvielfalt, den vielen Seeadlern und dem unschlagbaren Lichtverhältnissen wurde am Ende von den vielen tollen Leuten abgerundet, die ich vor Ort treffen konnte. Es waren einige Ornithologen, Fotografen und Tierfilmer vor Ort und mit manchem bin ich heute noch in gutem Kontakt.

 

14 auf einen Streich – Seeadler jagen einem Graureiher seine Beute ab

 

An dieses Erlebnis werde ich sicherlich mein ganzes Leben zurückdenken und ich hoffe, dass es sich irgendwann wiederholt. Auch wenn die Hintergründe natürlich nicht unbedingt positiv waren, denn die vielen Seeadler sammelten sich vor allem aufgrund der extremen Trockenheit. Für die Seeadler ein gedeckter Tisch, aber anderen Tierarten kam dieser heiße Sommer sicherlich nicht besonders entgegen.

 

Ein weiteres Highlight war meine kleine Tour an die dänische Grenze zu den Starenschwärmen, die dort im Herbst in den weitläufigen Schilfgebieten übernachten und tagsüber auf den Feldern nach Nahrung suchen. Ich hatte besonders viel Glück, da die Stare genau an der Stelle ins Schilf geflogen kamen, wo ich mich kurz vorher positioniert habe.

 

Solche Nahaufnahmen waren für mich ein absoluter Traum und ein langersehntes Ziel. Ich hatte mir zwar noch mehr Formationsflüge erhofft und den ein oder anderen Angriff eines Greifvogels gewünscht, aber vielleicht klappt das im nächsten Jahr besser. In jedem Fall war es ein atemberaubendes Erlebnis, wenn der schwarze Vorhang zuging und hunderttausende Stare plötzlich abhoben. Auch im nächsten Jahr plane ich definitiv wieder eine Tour zu den Staren ein.

 

 

Tolle Momente auch ohne Kamera

Auch wenn das Jahr grundsätzlich sehr erfolgreich verlief, blicke ich genauso auf einige verpatzte Aufnahmen zurück. Am meisten ärgere ich mich noch heute, über eine Wildschwein Bache mit Frischlingen, die ich aus weniger als 10 Metern Entfernung „gefilmt“ habe. Die Anführungsstriche haben natürlich ihren Grund, denn ich war so aufgeregt, dass ich den Record-Button leider zwei mal gedrückt habe.

 

Nachdem die Bache mich anschnaubte und ca. 5 Minuten mit ihren Frischlingen vor mir im schönsten Abendlicht posierte, wollte ich eigentlich gerade die Aufnahme beenden, um Akku und Speicherplatz zu sparen. Doch dann fiel mir auf, wie meine Kamera begann aufzunehmen. Ab dem Zeitpunkt, an dem die guten Momente schon längst vorbei waren.

 

Auch wenn die Begegnung im Frühling gewesen ist, schmerzt es immer noch bei dem Gedanken, eine solche schöne Aufnahme weggeschenkt zu haben. Doch in diesem Jahr habe ich auch gelernt, dass auch Momente ohne Kamera ihren Reiz haben und trotzdem in guter Erinnerung bleiben.

 

Zum Beispiel der gescheiterte Jagdversuch eines Fischadlers in ca. 10 Metern Entfernung. Ein Sperlingskauz, der mich auf dem Rückweg zu meinem Auto durch sein stockdunkles Revier begleitete und mehrmals direkt über mir flog. Der Baumfalke, wie er im Höchsttempo eine Rauchschwalbe im Flug erbeutete. Ein weißer Mäusebussard, der mich mit einem Ast verwechselte und kurz davor war, auf mir zu landen (Tarnung ist manchmal alles). 😅

 

Das wohl einprägsamste Erlebnis ohne Kamera war jedoch noch ein ganz anderes. Im Nationalpark Unteres Odertal beobachtete ich aus der Ferne ca. 30 Kormorane im Wasser und ungefähr genauso viele Graureiher am Ufer. Ich merkte, dass dort gerade irgendwas besonderes passieren muss, denn auch über den Kormoranen waren auffällig viele Lachmöwen unterwegs.

 

Da Reiher und Kormorane extrem scheu sind, beobachtete ich die Szene mit meinem Fernglas und ging vorerst nicht dichter heran. Ich traute meinen Augen kaum, als ich realisierte, was dort genau vorgeht. Die Kormorane waren logischerweise zum Fischen da, aber ich habe noch nie zuvor davon gehört, dass sie dieses gemeinsam tun.

 

Während die Kormorane die Fische Unterwasser Richtung Ufer jagten, warteten dort die Graureiher auf ihre Chance. Als die Graureiher zuschlugen, schwammen die Fische wieder zurück ins tiefere Gewässer. Doch dort warteten widerum die Kormorane auf ihre zweite Chance und machten entsprechend dicke Beute. Die Lachmöwen waren der dritte Nutznießer, indem sie die nach oben aufgescheuchten Fische regelrecht von der Wasseroberfläche aufsammeln konnten.

 

Eine solche faszinierende Zusammenarbeit von mehreren unterschiedlichen Tierarten habe ich noch nie gesehen. Ich habe noch am selben Tag versucht herauszufinden, ob ein solches Verhalten schon häufiger beobachtet wurde, aber nichts dazu gefunden. Auch jeder Ornithologe, mit dem ich darüber gesprochen habe, hat davon noch nie gehört. Ich selbst würde meinen Augen bis heute nicht trauen, wenn nicht glücklicherweise eine mir entgegenkommende Fußgängerin das Gleiche beobachtet hätte.

 

Das kleine Schauspiel löste sich leider kurz danach auf und alle gingen wieder ihrer eigenen Wege. So habe ich leider keine Aufnahme, aber zumindest wunderbare Erinnerungen, die ich so schnell nicht vergessen werde. Und wer weiß: Vielleicht gelingt es mir ja im neuen Jahr, genau eine solche Szene zu dokumentieren.

 

 

Fortsetzung folgt

Im neuen Jahr 2019 werde ich genauso weitermachen wie ich in 2018 aufgehört habe. Ich werde so viel wie möglich draußen unterwegs sein und weiter meiner Leidenschaft nachgehen. Mit meinen Aufnahmen möchte ich aber im neuen Jahr noch mehr bewirken als bisher.

Erste Projekte stehen schon fest und wurden bereits in 2018 begonnen. Im Frühling werden einige meiner Aufnahmen in einer TV-Dokumentation zum Sterben der Singvögel zu sehen sein. Außerdem arbeite ich mit ersten Partnern im Bereich „Wartezimmer-TV“ zusammen, die meine Aufnahmen z.B. in Arztpraxen, Wellness-Centern und Hotels zeigen.

 

Darüber hinaus werde ich versuchen möglichst viel Aufklärungsarbeit zu betreiben. Gerade hinsichtlich der Rückkehr unserer Prädatoren und des Insektensterbens. Eine Partnerschaft mit einem Nationalpark ist in Anbahnung und mir schweben darüber hinaus bereits einige Ideen im Kopf, die noch auf Umsetzung warten.

 

Viel zu tun also im Jahr 2019! 🙂 Ich freue mich darauf und hoffe, dass Ihr mich weiterhin bei meinen kleineren und größeren Projekten begleitet.

 

Stephan

 

 

 

 

Meine besten Aufnahmen aus dem Jahr 2018

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